{"id":2799,"date":"2013-06-23T18:06:38","date_gmt":"2013-06-23T16:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfmaahn.de\/blog\/?p=2799"},"modified":"2013-07-11T15:08:33","modified_gmt":"2013-07-11T13:08:33","slug":"musiker-titelstory-interview-auszuge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wolfmaahn.de\/blog\/2013\/06\/23\/musiker-titelstory-interview-auszuge\/","title":{"rendered":"Musiker Titelstory &#8211; Interview Ausz\u00fcge"},"content":{"rendered":"<p><em>Mit freundlicher Genehmigung der &#8222;MUSIKER MAGAZIN&#8220; k\u00f6nnen wir euch einige Ausz\u00fcge des Interviews im Heft nun auch online anbieten. (Fotos: Libero Rec.\/Angelika Maahn)<\/em><\/p>\n<p>MM: Du hast gerade dein 30j\u00e4hriges B\u00fchnenjubil\u00e4um gehabt. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch dazu! Das schaffen nicht viele Musiker. Was bedeutet dir dieses Jubil\u00e4um?<\/p>\n<p>WM: Ich bin \u00fcberhaupt nicht der Jubil\u00e4umstyp. Ich bin dann eher \u00fcberrascht und denke: \u201eWas, das sind jetzt schon 30 Jahre?\u201c. Das neue Soloalbum und die dazugeh\u00f6rige Tour bietet allerdings eine gute M\u00f6glichkeit, eine pers\u00f6nliche Feier mit dem Publikum zu haben. Das Publikum, nur die Gitarre und ich. Die Lieder werden dabei h\u00e4ufig im Chor mitgesungen und das hat dann schon was Feierliches.<\/p>\n<p>MM: Auf deinem neuen Album \u201eLieder vom Rand der Galaxis\u201c beweist du mal wieder einmal mehr, dass du ein Vollblutmusiker bist, der neben einer Gitarre und einem Caj\u00f3n nicht viel mehr ben\u00f6tigt, um wundervolle Musik zu machen. Ist das etwas, was man mit der Zeit im Musikgesch\u00e4ft lernt oder hast du dieses Talent in die Wiege gelegt bekommen?<\/p>\n<p>WM: Ich glaube, sowohl als auch. Dazu geh\u00f6rt eine gewisse Veranlagung, und wenn man die entdeckt, dann ist es aber auch Arbeit. Ich wollte z.B. als Dreizehnj\u00e4hriger, als ich schon l\u00e4ngst Gitarre spielen konnte, unbedingt Schlagzeug spielen und hab dann getrommelt, wo immer ich war. Ich bin sogar mehrmals aus dem Unterricht geflogen. Meine Trommelei hat dazu gef\u00fchrt, dass sich mein Rhythmusgef\u00fchl sehr gut entwickelt hat. Ich glaube, wenn man ein gutes Rhythmusgef\u00fchl hat, dann kann man aus jedem Instrument etwas halbwegs Musikalisches herausholen. <\/p>\n<p>MM: Du hast sowohl viele politische als auch emotionale Texte. Wie entstehen bei dir die Texte? Sind es Erfahrungsberichte aus deinem Leben oder auch fiktive Dinge, die du niederschreibst?<\/p>\n<p>WM: Es sind wirklich meistens pers\u00f6nliche Erlebnisse. Die brauche ich auch, um authentische Texte zu schreiben. Das war mir schon immer wichtig. Aber nicht nur pers\u00f6nliche, sondern auch gesellschaftspolitische Themen spielen eine Rolle.<br \/>\nWas mich schon lange bewegt, ist der Wahnsinn an den Finanzm\u00e4rkten.\u201eKathedralen von Zahlen\u201c handelt z.B.davon. Man hat den Eindruck, da sind so etwa Hunderttausend Spekulanten. Diese gegen\u00fcber der Erdbev\u00f6lkerung kleine Minderheit treibt nicht nur die Menschen, sondern inzwischen auch die Regierungen vor sich her. <\/p>\n<p>MM: Du widmest dich neben der Musik vor allem auch verschiedenen anderen Projekten und Interessengebieten. Gerade letztens hast du dich f\u00fcr \u201eumFairteilen\u201c engagiert. Letztes Jahr f\u00fcr \u201eAmnesty International\u201c. Eine politische Haltung und Engagement scheinen dir wichtig zu sein\u2026 Du bekommst sicherlich viele Anfragen, ob du dich bei irgendeiner Aktion beteiligen m\u00f6chtest. Wie selektierst du?<\/p>\n<p>WM: Es muss ein Thema sein, zu dem ich etwas zu sagen habe, und vor allem muss ich auch Zeit daf\u00fcr haben. Wenn mich etwas interessiert, versuche ich, mir die Zeit zu nehmen und mich zu engagieren.<\/p>\n<p>MM: Dein Song \u201eTschernobyl\u201c ist heute genauso aktuell wie damals. Wie frustrierend ist das f\u00fcr dich?<\/p>\n<p>WM: Viele K\u00fcnstlerkollegen und ich haben durch unser Engagement viel erreicht und wir k\u00f6nnen auch heute noch viel erreichen. Mit der B\u00fcrgerbewegung rund um Wackersdorf haben wir in den Achtzigern verhindert, dass die Wiederaufbereitungsanlage gebaut wird. Dieses Riesenfestival damals hat sehr viel Aufsehen erregt. Das ZDF strahlte sogar eine Sondersendung im Vorabendprogramm aus, weil es politisch so brisant war. Danach gab es mal wieder eine bundesweite Umfrage und es gab zum ersten Mal eine Mehrheit f\u00fcr den Ausstieg. Wenn ich etwas bedaure, dann ist es, dass das allgemeine Interesse f\u00fcr Engagement zur\u00fcckgegangen ist. Es gibt so viele Themen, f\u00fcr die es sich lohnt, sich zu engagieren. Stichwort: \u201eOccupy\u201c. Eigentlich sollten da 40-50.000 Leute im Bankenviertel ihre Meinung sagen.<\/p>\n<p>MM: Meinst du nicht, dass es auch ein wenig Aufgabe der \u00e4lteren Musikergeneration ist, die Nachwuchsmusiker an die Hand zu nehmen und zu zeigen, wie Engagement funktioniert?<\/p>\n<p>WM: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass nicht jeder Musiker sich dazu berufen f\u00fchlt, sich f\u00fcr soziale oder politische Themen  zu engagieren. Das finde ich auch v\u00f6llig in Ordnung, wenn ein Musiker lieber \u00fcber seine neuen Wildlederstiefel oder sein Baby, das er gleich trifft, singen m\u00f6chte. So hat Rock\u2019 n\u2019 Roll angefangen. Sp\u00e4testens seit John Lennon ist das erweitert worden und es gibt viele K\u00fcnstler, die sich auch gesellschaftlich engagieren. In den Achtzigern war es auch einfacher, das \u00dcbel zu lokalisieren und dagegen zu k\u00e4mpfen. Die Welt ist komplexer und komplizierter geworden. Ein weiterer Grund ist, dass fr\u00fch in den Neunzigern es irgendwie uncool wurde, Benefizkonzerte zu spielen. Mitte der Neunziger habe ich ein gro\u00dfes Festival selbst initiiert &#8211; Rock for Bosnia. Die Fantastischen Vier haben sofort zugesagt, aber es fehlte noch ein weiterer Topact und das hat Monate gedauert, bis wir den hatten. Wieviel Absagen ich bis dahin bekommen habe m\u00f6chte keiner wissen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wolfmaahn.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Bildschirmfoto-2013-06-24-um-13.56.08.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>MM: Wie kam es dazu, dass du Musik gemacht hast? Wie hast du deine Leidenschaft f\u00fcr Musik gefunden?<\/p>\n<p>WM: Die Kurzfassung ist: Meine Mutter h\u00f6rte sehr viel Musik und als 6-,7-j\u00e4hriger Bub h\u00f6rte ich \u00f6fter Ray Charles. Dann kam der wunderbare Gus Backus mit \u201eDa sprach der alte H\u00e4uptling der Indianer\u201c , aber schon bald danach knallten die Beatles in unser Leben. Wir h\u00f6rten die Single  \u201eI feel fine\u201c, die dann noch am gleichen Tag gekauft wurde. Als die Beatles dann 1966, da war ich elf, ihre erste und einzige Tour durch Deutschland starteten, hat sich meine Mutter morgens um 6 Uhr angestellt und Karten f\u00fcr mich und meine Br\u00fcder ergattert. Nachdem wir sie im Zirkus Krone in M\u00fcnchen gesehen hatten, wurde sofort eine Band gegr\u00fcndet mit Plastikgitarren von Karstadt, die man an alte Radios anschlie\u00dfen konnte. Irgendein Million\u00e4rssohn hatte ein Schlagzeug und schon war die Band fertig.<\/p>\n<p>MM: Und wie ging es dann weiter?<\/p>\n<p>WM: Wir haben zuerst auf Sch\u00fclerpartys gespielt. Nachdem meine Eltern nach K\u00f6ln gezogen sind, gr\u00fcndeten mein Bruder Hans und ich eine Band, die \u201eGruppe Meier\u201c hie\u00df und damit haben wir dann schon richtig viele Konzerte, u.a. auch in Holland, gespielt. Sp\u00e4ter wurde es dann die Food Band, mit der auch immer wieder Demos entstanden und wir hartn\u00e4ckig versuchten, einen Plattenvertrag zu bekommen. \u00dcber Essex-Music, einem gro\u00dfen englischen Verlag, haben wir es dann geschafft. Die haben uns unter Vertrag genommen und das Album finanziert und wir haben einige Konzerte in London gespielt. Leider hat dann das Label pleite gemacht.<br \/>\nWir hatten schon w\u00e4hrend der Produktion von CBS ein Angebot bekommen, das erste Food-Band-Album weltweit zu ver\u00f6ffentlichen, au\u00dfer England, weil es da bei Essex war. Leider hatte der Chef von Essex die Rechte nicht abgegeben. Es wusste niemand, warum. Ich bin zu ihm ins B\u00fcro gegangen und fragte, wieso er die Rechte nicht rausr\u00fcckt, und er meinte, dass wir ihm vertrauen sollen. Es w\u00fcrde sicherlich der N\u00e4chste kommen und noch mehr als 400.000 bieten. Essex vertrat u.a. die Stones, The Who und andere Musikgr\u00f6\u00dfen und wir dachten, dass er schon wissen w\u00fcrde, was er tut. Leider kam dann aber niemand und gab ein h\u00f6heres Angebot ab und wir hatten Probleme, in irgendeinem anderen Land ver\u00f6ffentlicht zu werden. Das war f\u00fcr uns eine harte Erfahrung. Wir waren dann aber mit Fleetwood Mac auf Tour. Und mit Bob Marley. Das war schon eine gro\u00dfe Sache. Wir nahmen noch ein zweites Album in London auf. Ich war aber von der Banddemokratie irgendwann so frustriert, dass ich mir sagte, ich mach jetzt was unter meinem Namen und mache einfach das, was ich will. Das war der Startschuss zu meinem Deserteure-Debutalbum. Ich bin dann nachts in ein Tonstudio, wo ich aufnehmen durfte, wenn niemand da war. Als Erstes habe ich eine sehr abgefahrene Version von \u201eSag mir wo die Blumen sind\u201c eingespielt und dachte, damit bekommt man bestimmt einen Plattenvertrag. Und tats\u00e4chlich, ich hatte das Album noch nicht einmal fertig, da h\u00f6rte mich hinter den Kulissen einer Fernsehsendung ein Typ von Metronome aus Hamburg f\u00fcr paar Minuten mit Kopfh\u00f6rer, und ich hatte meinen Vertrag.<\/p>\n<p>MM: Das hei\u00dft, du bist deinen Weg gegangen, auch mit der Gefahr, dass du auf die Nase fallen k\u00f6nntest.<\/p>\n<p>WM: Ich fand es immer wichtig, meinen eigenen Weg zu gehen. Wenn man sich nach 30 Jahren alles einmal ansieht, dann wirst du von der Presse gefeiert, dann wirst du jahrelang \u00fcberhaupt nicht mehr erw\u00e4hnt, dann finden sie pl\u00f6tzlich wieder etwas gut. F\u00fcr meine Fans war es sicher nicht immer einfach, aber ich habe versucht, meine eigenen Ideen umzusetzen und somit auch glaubw\u00fcrdig zu sein. Nach meinen beiden Hitalben in den 80ern in Deutschland habe ich zum Beispiel ein englischsprachiges Album aufgenommen und meine Band, die \u201eDeserteure\u201c, komplett ver\u00e4ndert und nur den Leadgitarristen behalten und die Band auch sehr viel schlanker gemacht. Ich habe da eine Vision verfolgt, aber die Verkaufszahlen waren der totale Einbruch f\u00fcr alle Beteiligten. Doch auch im R\u00fcckblick finde ich es richtig, dass ich diese Platte gemacht habe. Und wenn man von Anfang an ein bisschen crazy ist, dann wundert es auch niemanden, wenn auf einem sp\u00e4teren Album da pl\u00f6tzlich auch ein englischer Song ist. Man hat sich damit also auch einige Freiheiten er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>MM: Welchen Ratschlag kannst du dem musikalischen Nachwuchs in Deutschland auf den Weg mitgeben?<\/p>\n<p>WM: Auf jeden Fall sollte man authentisch bleiben und das machen, was man f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Inspiration ist wichtig und man muss sich in Situationen bringen, in denen man die Inspiration auch weiterverfolgen kann. Man muss st\u00e4ndig auf der Jagd nach neuen Inspirationen sein, um auch etwas Neues zu machen. Man darf sich nicht auf den Inspirationen von vorgestern ausruhen. Ich finde es gerade in der heutigen Zeit sehr schwierig durch die Ver\u00e4nderung in den Medien. Im Fernsehen spielen Rock und Pop ja nur noch in den Castingshows eine Rolle und das \u00e4ndert schon die Art, wie die Leute Musik machen. Die Leute versuchen zu punkten und da verlieren sich Eigenheiten, die total wichtig sind. Sie werden glattgeb\u00fcgelt und verlieren an Authentizit\u00e4t. <\/p>\n<p>MM: Vielen Dank, dass du dir die Zeit f\u00fcr dieses Interview genommen hast. Auf die n\u00e4chsten 30 Jahre!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit freundlicher Genehmigung der &#8222;MUSIKER MAGAZIN&#8220; k\u00f6nnen wir euch einige Ausz\u00fcge des Interviews im Heft nun auch online anbieten. (Fotos: Libero Rec.\/Angelika Maahn) MM: Du hast gerade dein 30j\u00e4hriges B\u00fchnenjubil\u00e4um gehabt. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch dazu! Das schaffen nicht viele Musiker. Was bedeutet dir dieses Jubil\u00e4um? WM: Ich bin \u00fcberhaupt nicht der Jubil\u00e4umstyp. 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